30.03.26

Interview mit Oliver Schnetzer

Interviewreihe mit CEOs FOR FUTURE Beirät:innen

Oliver Schnetzer ist seit rund einem Jahrzehnt in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Er verfügt dabei über langjährige Erfahrung im politischen Umfeld und war neben seiner Tätigkeit im Parlamentsklub und im Bundesministerium für Klimaschutz unter anderem auch in leitender Funktion für den Verein Love Politics aktiv. Als Networking-Enthusiast verfolgt Oliver Schnetzer das Ziel, Menschen und Ideen zu vernetzen, um Synergien und Begeisterung für gemeinsamen Fortschritt zu gewinnen.

Frage 1: Wie kann sich die Zivilgesellschaft bei der derzeitigen geopolitischen Situation einbringen, um die Transformation von Wirtschaft & Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen?

In der Frage ist bereits eine zentrale Herausforderung versteckt. Was soll ich als Einzelperson schon tun können, wenn Kriege wüten, Arten aussterben und die Erderhitzung zunimmt? Noch dazu, wenn ich bereits mit meinen eigenen Herausforderungen im Alltag genug um die Ohren habe?

Ich halte für mich persönlich drei Punkte fest. Erstens: Ich achte auf meine Ressourcen. Viele der großen Herausforderungen unserer Zeit sind ein Marathon, kein Sprint. Ich bringe mich ein, wenn es sich ressourcentechnisch ausgeht. Neben dem Faktor Zeit auch mit Blick auf die Psyche, da Themen wie Krieg und Klimakrise auch belastend sein können.
Zweitens: Ich bin überzeugt, dass gerade durchs Handeln Mut entstehen kann. Wenn die Nachrichten vor Negativschlagzeilen strotzen, hilft es, aktiv zu werden und das Gefühl zu haben, einen Beitrag zu leisten. Und das führt zu Drittens: Vernetzung. Wir sind nicht alleine und gemeinsam ein Ziel zu verfolgen, kann neue Ideen, Kraft und Rückenwind weg von der Ohnmacht geben.

Ich wünsche mir, dass die Zivilgesellschaft wieder stärker ihre Stimme nutzt. Jede und jeder in dem Rahmen, der zur Verfügung steht. Ich wünsche mir ein neues Bewusstsein, welches Gewicht wir als Zivilgesellschaft haben. Aber auch ein Bewusstsein dafür, dass bereits Handlungen im kleinen Rahmen großen Impact haben können. Gerade in einer polarisierenden Gesellschaft, können zivilgesellschaftliche Akteure als Mediatoren fungieren, neue Brücken und sozialen Zusammenhalt dort schaffen, wo staatliche Akteure kein Gehör mehr finden. Auch in anderen Bereichen können lokale Initiativen – beispielsweise bei der Schaffung von Energiegemeinschaften –ein wertvoller Beitrag sein. Es muss nicht immer gleich darum gehen, die Welt zu verändern. Oft ist das Gespräch mit Freunden, Nachbarn oder Bekannten ein erster Schritt, um Lösungen für gemeinsame Sorgen zu finden.

Frage 2: Welche Rolle können junge Menschen, deiner Einschätzung nach, in der nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen – und wie lassen sich ihre Potenziale besser nutzen und einbinden?

Eine der großen Stärken jüngerer Generationen ist ein frischer, unvoreingenommener Blick auf bestehende Strukturen und bestenfalls die Hinterfragung selbiger. Sie bringen Perspektiven, die etablierten Unternehmen möglicherweise fehlen und die Potenziale aufzeigen können.

Im Umkehrschluss bieten Einblicke hinter die Wirtschaftskulissen bestenfalls Inspiration und Motivation, eigene Ideen einzubringen oder selbst weiterzuentwickeln. Ich bin überzeugt, dass durch offene, vertrauliche Gesprächsformate zwischen Unternehmen und jungen Generationen die größten Ideen reifen und somit Transformation gelingen können – eine Win-Win-Situation.

Potenzial sehe ich hingegen noch beim Mut-machen, um für Partizipation zu begeistern. Allein in Österreich verbergen sich zahlreiche hidden champions und großartige Konzepte, die bis dato wenig bekannt sind und die im öffentlichen Wirtschaftsdiskurs kaum durchdringen. Hier gilt es aufzuzeigen und aufzuholen – es steckt schon heute so viel Kreativität und Potenzial im Land. Indem wir Erfolgsgeschichten verstärkt vor den Vorhang holen, schaffen wir bestenfalls auch den Ansporn für den berühmten ersten Schritt junger Innovatoren.

Fotocredit: Katharina Klapper

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