Interviewreihe mit CEOs FOR FUTURE Beirät:innen
Mirjana Čović ist Informatikerin, Innovation Managerin und langjährige Expertin im Schnittfeld von Technologie & Transformation. Sie arbeitet als Partnerin bei Parhelion Energy an Innovationsprozessen und Lösungen zu Prozessoptimierung. Als Beirätin bei CEOs FOR FUTURE setzt sie sich dafür ein, Digitalisierung und Nachhaltigkeit strategisch zusammenzuführen.
Frage 1: Aus der Perspektive deines Fachbereichs – welche konkreten Hebel siehst du, um die Transformation von Wirtschaft & Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen?
Aus meiner Sicht beginnt wirkliche nachhaltige Transformation dort, wo Technologie, Organisation und Werte zusammenkommen. Digitalisierung ist nicht automatisch nachhaltig – sie wird es erst, wenn wir sie gezielt dafür einsetzen. Als Innovation Managerin erlebe ich täglich bei unseren Kund:innen, wie viel Potenzial wir noch ungenutzt lassen: Daten, Automatisierung, KI, neue Energie- und Mobilitätskonzepte – all das kann enorme Wirkung entfalten, wenn es richtig orchestriert wird.
Genau hier setze ich auch in meiner Arbeit bei Parhelion Energy an. Wir entwickeln Technologien und Innovationsprozesse, die Unternehmen helfen, Prozesseffizienz messbar zu steigern und ihre Prozesse auf Nachhaltigkeit auszurichten. In unseren Projekten erlebe ich, wie stark technologische Optimierung mit klaren Nachhaltigkeitszielen ineinandergreifen kann, wenn man diesen Weg bewusst verfolgt.
Zudem brauchen wir einen kulturellen Shift: einen Wandel von Wachstum um jeden Preis hin zu einem Bewusstsein, das Verantwortung, Verbundenheit und langfristigen Wert anerkennt. Wenn Unternehmen diese Haltung in Technologie-Strategien integrieren, entsteht echte Veränderung – nicht nur ein grünes Etikett.
Frage 2: Welche Rolle können junge Menschen deiner Einschätzung nach in der nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen – und wie lassen sich ihre Potenziale besser nutzen und einbinden?
Junge Menschen sind für mich nicht „die Zukunft“, sondern schon heute die stärkste Veränderungskraft. Sie wachsen selbstverständlich digital, vernetzt und mit hoher sozialer Sensibilität auf – genau jene Kombination, die wir für nachhaltige Transformation brauchen.
Was ihnen oft fehlt, ist Zugang zu echten Entscheidungsräumen. Wir müssen jungen Menschen ermöglichen, früh Verantwortung zu übernehmen – in Innovationslaboren, Vereinen oder strategischen Programmen. In meinen Projekten habe ich erlebt, wie wertvoll ihre frischen Perspektiven sind: Sie hinterfragen eingefahrene Strukturen, denken mutiger und denken Nachhaltigkeit automatisch mit.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie stark junge Talente wirken können, wenn man ihnen vertraut. Sie sind oft die Ersten, die intuitiv Nachhaltigkeit leben. Ihre Potenziale können sich besser entfalten, indem wir Organisationen offener, mutiger und experimentierfreudiger gestalten.
Frage 3: Inwiefern stärkt die strategische Verankerung von Nachhaltigkeit die Wettbewerbsstärke und Resilienz eines Unternehmens?
Nachhaltigkeit strategisch zu verankern heißt, das Unternehmen zukunftsfit zu machen. Heute wird Resilienz nicht mehr nur an finanziellen Kennzahlen gemessen, sondern an Anpassungsfähigkeit, Innovationsgeschwindigkeit und Werthaltung.
In meiner Arbeit – ob bei ÖBB, Accenture oder jetzt bei Parhelion Energy – sehe ich klar: Unternehmen, die Nachhaltigkeit als Kernstrategie verstehen, sind stabiler, attraktiver und erfolgreicher. Sie erkennen Risiken früher, reagieren besser auf Marktveränderungen und bauen ein stärkeres Vertrauen bei Kund:innen, Mitarbeitenden und Investor:innen auf.
Nachhaltigkeit wirkt wie ein strategischer Kompass: Sie gibt Orientierung, schafft Prioritäten und hilft, technologische Innovation in den Dienst der Gesellschaft zu stellen. Wer das früh versteht, wird nicht nur resilienter, sondern auch zum / zur Gestalter:in der Zukunft – und nicht nur zum / zur Reagierenden.