21.10.25

Interview mit Heike Zimmermann-Timm – SRH University Heidelberg

Interviewreihe mit CEOs FOR FUTURE Beirät:innen

Heike Zimmermann-Timm ist Professorin für Klimaschutz und Nachhaltigkeit an der SRH University Heidelberg (Deutschland) sowie habilitierte Dozentin im Fachbereich Biowissenschaften der Goethe Universität in Frankfurt am Main. Für CEOs FOR FUTURE begleitete sie zudem die Umfrage 2025: „Die Rolle der Gen Z in der nachhaltigen Transformation“ im Rahmen derer die Gen Z und Topmanager:innen befragt wurden.


Frage 1: Aus der Perspektive deines Fachbereichs – welche konkreten Hebel siehst du, um die Transformation von Wirtschaft & Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen?

Als Wissenschaftlerin betrachte ich Systeme in ihrer Gesamtheit und suche gezielt den Austausch mit anderen Disziplinen. Eine Haltung, die mir mein Mentor, Prof. Roland Pechlaner, im Studium vermittelt hat. In meinem Fachbereich an der SRH University Heidelberg arbeiten Naturwissenschaftler:innen, Techniker:innen, Soziolog:innen und Ökonom:innen eng zusammen, um nachhaltige Lösungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu entwickeln.

Ein wesentlicher Hebel ist die enge Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: In gemeinsamen Projekten mit unseren Praxispartner:innen bearbeiten Studierende reale Fragestellungen und entwickeln umsetzbare Ansätze für mehr Nachhaltigkeit. So wird wissenschaftliches Wissen in konkrete Handlung überführt. Bildung, Kooperation und systemisches Denken werden damit zu Motoren einer beschleunigten Transformation.

Frage 2: Welche Rolle können junge Menschen, deiner Einschätzung nach, in der nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen – und wie lassen sich ihre Potenziale besser nutzen und einbinden?

Junge Menschen sind zentrale Gestalter:innen einer nachhaltigen Zukunft. Sie bringen frische Perspektiven, Kreativität und Mut zur Veränderung mit – und oft eine kritische Sensibilität für die drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Besonders wirkungsvoll wird ihr Engagement, wenn sie nah an der Realität arbeiten.
So erarbeiten meine Studierenden gerade ein Energiekonzept für eine gemeinnützige Organisation und lernen dabei, welche Lösungen praktisch umsetzbar sind, und wo finanzielle oder organisatorische Grenzen bestehen.

Solche Erfahrungen verbinden theoretisches Wissen mit realer Handlungskompetenz, fördern systemisches Denken und stärken die Fähigkeit, Veränderungen verantwortungsvoll zu gestalten.

Gleichzeitig entsteht ein wertvoller Generationendialog: Junge Menschen bringen neue Ideen ein, ältere Fachleute Erfahrung und Perspektive. Gemeinsam werden so tragfähige, innovative Ansätze für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt. Ihre Potenziale lassen sich am besten entfalten, wenn sie Verantwortung übernehmen, interdisziplinär arbeiten und aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, so werden sie zu echten Treiber:innen nachhaltiger Transformation.

Frage 3: Warum ist Biodiversität ein zentraler Faktor für die nachhaltige Transformation – und was steht auf dem Spiel, wenn sie verloren geht?

Biodiversität umfasst die genetische Vielfalt innerhalb von Arten, die Vielfalt der Arten selbst, sowie die Vielfalt der Ökosysteme. Diese drei Ebenen bilden die Grundlage funktionierender Ökosysteme und sind unverzichtbar für das menschliche Wohlergehen. Im Kontext nachhaltiger Entwicklung ist Biodiversität weit mehr als ein ökologisches Anliegen: Intakte Ökosysteme liefern essenzielle Dienstleistungen, stabilisieren Wirtschaft und Gesellschaft und erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen. Der Verlust von Biodiversität und die fortschreitende Zerstörung von Lebensräumen zeigen deutlich, dass eine nachhaltige Transformation dringend notwendig ist. Ohne Biodiversität stehen Ernährung, Gesundheit, Wasser- und Klimasicherheit sowie wirtschaftliche Stabilität auf dem Spiel. Biodiversität ist somit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Gesellschaften resilient, nachhaltig und zukunftsfähig bleiben.

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