28.10.25

Interview mit Cécile Cremer – Wandering the Future

Interviewreihe mit CEOs FOR FUTURE Beirät:innen

Cécile Cremer ist Futuristin, Speakerin und Gründerin von Wandering the Future.
Sie hilft Organisationen dabei, Zukunftskompetenzen zu entwickeln und Zukunftschancen strategisch zu nutzen.


Frage 1: Aus der Perspektive deines Fachbereichs – welche konkreten Hebel siehst du, um die Transformation von Wirtschaft & Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit zu beschleunigen?

Ich bin überzeugt, dass echte nachhaltige Transformation nur dann gelingt, wenn zuerst ein Mindset-Shift stattfindet. Menschen müssen die Dringlichkeit der Zukunft wirklich spüren – erst dann entsteht intrinsische Veränderung, die langfristig tragfähig ist. Wir müssen beginnen, in Systemen zu denken und erkennen, dass alles miteinander verbunden ist – wie Ökosysteme, in denen jede Entscheidung Wellen schlägt. Das bedeutet auch, dass wir von einem rein human-centered design hin zu einem multiple species design übergehen müssen, in dem der Mensch Teil eines größeren Ganzen ist. Foresight spielt dabei eine entscheidende Rolle: Nur wenn wir lernen, uns alternative und wünschenswerte Zukünfte vorzustellen, können wir sie auch gestalten.

Frage 2: Welche Rolle können junge Menschen, deiner Einschätzung nach, in der nachhaltigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen – und wie lassen sich ihre Potenziale besser nutzen und einbinden?

Junge Menschen sind für mich der Schlüssel zu jeder erfolgreichen nachhaltigen Transformation. Wenn wir etwas wirklich dauerhaft verändern wollen, müssen sie die Chance bekommen, es mitzugestalten – denn sie sind es, die die Zukunft tragen. Je früher wir Menschen – auch Kinder – aktiv beteiligen, desto größer ist ihre Vorstellungskraft und desto geringer die inneren Barrieren. Natürlich darf man dabei soziale Unterschiede nicht übersehen; nicht jeder junge Mensch hat die gleichen Möglichkeiten. Aber im Allgemeinen sind sie offen, anpassungsfähig und bereit, Verantwortung zu übernehmen. Unternehmen sollten sie strukturell einbinden – als Sparringspartnerinnen, Mitgestalterinnen und Co-Eigentümerinnen von Zukunftsfragen – und ihnen ermöglichen, ihre Stimme über ihre eigenen Kanäle zu verbreiten.

Frage 3: Wo siehst du aktuell die größten Stärken – aber auch die Schwächen – der österreichischen Wirtschaft?

Da ich selbst keine Österreicherin bin, möchte ich mir kein Urteil über die spezifischen wirtschaftlichen Strukturen anmaßen. Was ich jedoch aus einer Zukunftsperspektive sehe, ist ein Land mit großem Potenzial: Österreich verfügt über eine starke Basis an Know-how, Kreativität und Unternehmergeist. Die Chance liegt darin, diese Stärken konsequenter mit langfristigem Denken zu verbinden – weg von der reinen Effizienzlogik, hin zu Resilienz und regenerativem Wachstum. Die größte Herausforderung ist vielleicht dieselbe wie überall in Europa: den Mut aufzubringen, bestehende Muster zu hinterfragen, bevor äußere Umstände uns dazu zwingen.

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