Nach der vorjährigen Exkursion zum EUREF-Campus in Berlin, die neuen technologischen Möglichkeiten und der Kreislaufwirtschaft gewidmet war, widmete sich die Exkursion am 29.05.2026 in den Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel den Themen Biodiversität und regenerativer Landnutzung sowie den Wechselwirkungen zwischen Ökologie und Wirtschaft. Im Mittelpunkt standen die Besonderheiten dieses einzigartigen Naturraums, seine internationale Bedeutung als Biodiversitäts-Hotspot sowie die Herausforderungen und Chancen, die sich aus dem Schutz und der nachhaltigen Entwicklung dieser Landschaft ergeben.
Eröffnet wurde die Exkursion durch den Obmann Karl Kienzl, der die Teilnehmer:innen – darunter Mitglieder sowie Vertreter:innen von Jugendorganisationen – begrüßte und die Bedeutung des gemeinsamen Austauschs zu Natur-, Umwelt- und Zukunftsthemen hervorhob.
Im Nationalparkzentrum gab Günter Liebel, Mitinitiator des Nationalparks und Generalsekretär a.D. im Bundesministerium für Landwirtschaft, einen Überblick über die Entstehungsgeschichte von Nationalparks sowie deren nationale und internationale Bedeutung für den Naturschutz. Dabei erläuterte er die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und ging auf die sich daraus ergebenden Herausforderungen ein. Ebenso thematisierte er die Notwendigkeit europaweit einheitlicher Kriterien für die Vergleichbarkeit und Bewertung schutzwürdiger Gebiete sowie für deren langfristige Finanzierung.
Anschließend erläuterte Johannes Ehrenfeldner, Direktor Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel die organisatorischen Strukturen des Nationalparks, die Eigentumsverhältnisse sowie die enge Zusammenarbeit mit dem ungarischen Teil des grenzüberschreitenden Schutzgebiets. Besonders hervorgehoben wurde die bilaterale Kooperation, die sich auch im gemeinsamen Erscheinungsbild des Logos des Nationalparks widerspiegelt und als Symbol für gemeinsame Ziele und gelebte Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg verstanden werden kann.
Darüber hinaus verdeutlichte er die außergewöhnliche ökologische Bedeutung der Region. Der Neusiedler See liegt an der Schnittstelle unterschiedlicher Naturräume – zwischen den Ausläufern der Alpen sowie den östlichen Steppen- und Ebenenlandschaften – und zählt dadurch zu den bedeutendsten Biodiversitäts-Hotspots Europas. Die Vielfalt an Lebensräumen und Arten macht das Gebiet zu einem einzigartigen Naturraum mit hoher internationaler Bedeutung. Abschließend betonte er die Potenziale, die sich aus einem konstruktiven Zusammenspiel von Biodiversitätsschutz und wirtschaftlicher Entwicklung ergeben.
Im weiteren Verlauf führte die Exkursion zur Südlichen Seekoppel. Dort bot sich den Teilnehmer:innen ein eindrucksvoller Blick über den Schilfgürtel des Neusiedler Sees sowie die charakteristischen Trockenrasenflächen der Region. Mit Unterstützung von Lukas Vendler und Sebastian Perlinger, den Nationalpark-Rangern, und bereitgestellter Ferngläser konnten zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beobachtet werden. Dabei wurde die besondere Vielfalt alpiner, pannonischer, asiatischer und mediterraner Arten sowie deren komplexes Zusammenspiel innerhalb der Ökosysteme anschaulich vermittelt.
An der Langen Lacke, einer der charakteristischen Sodaseen des Seewinkels, erläuterte Harald Grabenhofer, Leiter Abteilung Forschung, Monitoring & Citizen Science Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel, die Entstehungsgeschichte dieser seltenen Salzgewässer und deren ökologische Bedeutung. Er verwies auf die besondere Verantwortung zum Schutz dieser zunehmend gefährdeten Lebensräume und thematisierte aktuelle Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit Klimawandel, Landnutzungsänderungen und Veränderungen des Grundwasserspiegels.
Ein weiterer Programmpunkt widmete sich den Böden der Region. Martin Gerzabek, langjähriger Rektor der BOKU a.D. und Präsident der Christian Doppler Forschungsgesellschaft sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von CEOs FOR FUTURE, stellte die bodenkundlichen Besonderheiten des Seewinkels vor und erläuterte die klimatischen sowie geologischen Voraussetzungen, die zur Ausbildung der charakteristischen Bodenprofile geführt haben. Dabei wurde die zentrale Rolle des Bodens als Grundlage des Lebens sowie als Träger wertvoller biologischer und genetischer Ressourcen hervorgehoben. Er betonte auch, dass das von ihm seit mehr als 20 Jahren untersuchte Bodenprofil noch nie so trocken wie in diesem Jahr war.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein gemeinsames Ausklingen beim Sodla Wirt in Illmitz. In seinen abschließenden Worten ging Karl Kienzl auf die Themen Flächenverbrauch, Ökosystemregeneration und die Bedeutung funktionierender Ökosystemleistungen für Gesellschaft und Wirtschaft ein. Günter Liebel verdeutlichte die aktuellen Herausforderungen für die Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Produktion, Naturschutz und Klimawandel. Johannes Ehrenfeldner appellierte abschließend an die Bedeutung eines ganzheitlichen Denkens und bedankte sich bei allen Beteiligten für den offenen Austausch sowie das gemeinsame Interesse an den Zukunftsfragen von Natur, Biodiversität und nachhaltiger Entwicklung sowie dem Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel im speziellen.
Wir bedanken uns bei allen weiteren Teilnehmer:innen für den wertvollen Austausch und die wichtigen Beiträge zu dem Thema:
Thomas Deutinger – PÜSPÖK Erneuerbare Energie GmbH // Martin Krill, Harald Safer – PROFES – Professional Energy Services GmbH // Sabine Meister – TaylorWessing // Marianne Neumüller-Klapper – Nespresso Österreich // Karla Röckener – CliMates Austria // Johann Zimmermann, Ute Zimmermann – NaKu e.U. // Karin Kienzl-Plochberger, Elisabeth Erler, Nina Perbin – CEOs FOR FUTURE
Bildergalerie: CEOs FOR FUTURE Exkursion zum Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel // 29.05.2026:




















