Beim CEOs FOR FUTURE Willkommensfrühstück am 19. November 2025 drehte sich alles um die Frage, wie Kreislaufwirtschaft zur Wettbewerbsstärkung und Risikominimierung beitragen kann. Vertreter:innen aus unterschiedlichen Branchen gaben prägnante Einblicke in ihre aktuellen Initiativen und Herausforderungen.
In der Begrüßung betonten Obmann-Stellvertreterin Birgit Kraft-Kinz und Obmann Karl Kienzl, dass Kreislaufwirtschaft das resiliente Wirtschaftsmodell der Zukunft ist – und 2026 für Unternehmen noch stärker an Bedeutung gewinnen wird.
Christian Abl, Reclay Group, machte deutlich, dass funktionierende Sammel- und Verwertungssysteme zentral für die Kreislaufwirtschaft sind. Aktuell gehen aufgrund geringer Rezyklat-Nachfrage enorme Mengen verloren und gleichzeitig Österreich Strafzahlungen leisten muss, wenn es die vorgeschriebenen Quoten nicht einhält. Finanzielle Anreize für höheren Rezyklateinsatz und Investitionen in Mehrwegkonzepte können als zentrale Hebel fungieren. Die kommende EU-Verpackungsverordnung (PPWR) könne neue Impulse geben.
Michael Berlin, Blün GmbH, zeigte anhand des Aquaponik-Konzeptes – der Mischung aus Fischzucht und Gemüseanbau – wie urbane Landwirtschaft Kreisläufe schließen kann. Auch Überschüsse, also vermeintliche „Abfälle“ werden weiterverwertet: von Soßen und Ketchup aus Tomaten bis Tierfutter aus Wels-Nebenprodukten.
Sonja Sollner-Schitter, LeitnerLeitner GmbH, hob das Potenzial bisher ungenutzter Fördermittel hervor. Viele Unternehmen erkennen ihren eigenen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft (noch) nicht. LeitnerLeitner unterstützt dabei, Investitionen und Projekte klar zuzuordnen, förderrelevant aufzubereiten und damit zirkuläre Ansätze sichtbar zu machen.
Karl Sagmeister, Schneider Electric Austria, verwies auf die starke Abhängigkeit Europas von Rohstoffen und die Bedeutung von Normierung und Produkttransparenz. Schneider Electric folgt dem Prinzip „use better, use longer, use again“ und zeigt mit Beispielen wie Schalter und Steckdosen aus Ocean Plastic, wie zirkuläre Geschäftsmodelle praktisch umgesetzt werden können.
Katrin Vohland, Naturhistorisches Museum Wien, betonte das Potenzial naturbasierter Ansätze. Bioinspiration sowie Forschung und Entwicklung zu neuen Produktionsformen liefern wichtige Impulse für nachhaltige Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft.
Matthias Schodits, enshift (Austria) GmbH, präsentierte grünes Energy Contracting als Modell für regionale Energie-Kreisläufe. Heizungsumstellungen ohne Eigeninvestition und intelligente, lokale Energielösungen zeigen, wie Energie nah am Verbrauch produziert, effizient genutzt und damit zu zirkulären Energiesystemen beitragen kann.
Werner Weingraber, Madaster Austria GmbH, stellte Madaster als Instrument für Transparenz und Risikominimierung insbesondere in der Bauwirtschaft vor. Digitale Materialkataster können Entscheidungsgrundlagen entlang des gesamten Lebenszyklus schaffen. Künftig soll eine kostenlose Lernplattform zirkuläre Baukompetenz noch breiter zugänglich machen.
Christoph Zinganell, COLLECTIVE ENERGY GmbH, betonte, dass flache Hierarchien interne Kreisläufe stärken und Transformationsprozesse beschleunigen können. Während die Themen Energie und Mobilität in der Beratung bereits stark vertreten sind, sieht er bei Kreislaufwirtschaft noch Entwicklungspotenzial.
Michael Haugeneder, ATP sustain GmbH, unterstrich die Notwendigkeit einheitlicher Methoden und verlässlicher Bestandsdaten in der Immobilienwirtschaft. Ohne international anerkannte Bilanzierungsstandards und umfassende Daten aus dem Gebäudebestand kann Kreislaufwirtschaft im Bausektor kaum wirksam umgesetzt werden.
Es wurde deutlich, dass bereits viele Unternehmen auf zirkuläre Konzepte setzen. Doch um Europas Wettbewerbsstärke zu sichern und resilienter zu werden, braucht es deutlich mehr: verlässliche Rahmenbedingungen, genaue Daten, klare Standards – und die Orientierung an der Natur, die alle Stoffe seit jeher im Kreislauf führt – unser jetziges Wirtschaftsmodell unterstützt in vielen Bereichen noch immer eine Wegwerfgesellschaft.
Wir bedanken uns bei allen weiteren Teilnehmer:innen für ihre wertvollen Beiträge:
Markus Beck – NTT DATA Deutschland SE // Michaela Bundschuh – d-fine Austria GmbH // Christine Catasta // Gudrun Ghezzo – Ghezzo GmbH // Barbara Gruszkiewicz – LeitnerLeitner GmbH // Mario Heinisch – Funk International Austria GmbH // Christoph Strasser – COLLECTIVE ENERGY GmbH // Lukas Kienzl – Vorstand CEOs FOR FUTURE
Bildergalerie CEOs FOR FUTURE Willkommensfrühstück // 19.11.2025:













