10.03.26

C4F Themenabend: Vom Resilienz- zum Chancendenken – Geschäftsmodelle, Innovationen & Projekte

Beim CEOs FOR FUTURE Themenabend am 9. März 2026 stand die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen den nächsten Schritt in der nachhaltigen Transformation gehen können. Nachhaltigkeit ist längst kein reines Reputations- oder Regulierungsthema mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor und bei der derzeitigen geopolitiaschen Lage zur zentralen Frage der Resilienz insbesondere für Österreich und Europa. Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und technologische Innovation verändern Märkte, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle grundlegend. Im Fokus des Abends stand daher die zentrale Frage: Wie wird aus Resilienz strategisches Chancendenken, welche Rahmenbedingungen brauchen wir dafür und welche Weichen müssen wir selbst dafür stellen und vielleicht sogar Geschäftsmodelle überdenken?

Eröffnet wurde der Abend von Obmann-Stellvertreterin Birgit Kraft-Kinz sowie Obmann Karl Kienzl, die die Bedeutung unternehmerischer Verantwortung und interdisziplinärer strategischer Weichenstellungen für eine resiliente Wirtschaft betonten.

Haimo Primas, Holcim Österreich GmbH, zeigte anhand der Zementproduktion auf, wie Kreislaufwirtschaft zunehmend zu einem wirtschaftlichen Erfolgsfaktor wird. Durch die Aufbereitung von Bauschutt und dessen Einsatz als Ersatz für natürliche Rohstoffe können bereits heute rund 10–12 % des Kalksteins substituiert werden – langfristig sind sogar rund 30 % möglich. Neben der Sicherung von Rohstoffen entstehen dadurch auch neue Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette.

Marika Püspök, Wiener Stadtwerke GmbH, erläuterte die strategische Steuerung der Dekarbonisierung. Ziel der Wiener Stadtwerke ist Klimaneutralität bis 2040. Dafür werden sämtliche Geschäftsbereiche systematisch analysiert, um Dekarbonisierungspfade, Investitionsbedarfe sowie Auswirkungen auf Mitarbeitende und Infrastruktur zu identifizieren. Neben Versorgungssicherheit spielt dabei auch Kapitalvorsorge eine zentrale Rolle. Nachhaltigkeitsthemen wie Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und Umweltschutz werden zunehmend als integraler Bestandteil von Geschäftsmodellen verstanden.

Friedrich Paprotka, ista Österreich GmbH, zeigte auf, wie datenbasierte Heizkostenabrechnung und Energiemanagement zur Energiewende beitragen können. Durch Transparenz und effiziente Nutzung können bis zu 20 % Energie eingespart werden. Für Unternehmen und Gebäudeeigentümer:innen entsteht dadurch nicht nur ein ökologischer Nutzen, sondern auch ein klarer wirtschaftlicher Vorteil durch reduzierte Kosten.

Werner Wutscher, New Venture Scouting und Beirat von CEOs FOR FUTURE stellte drei zentrale Thesen zur Transformation vor. Europa stehe vor einem Investitionsparadoxon: Trotz hoher Innovationskraft fehlen häufig die notwendigen Finanzierungsstrukturen. Gleichzeitig entstehen aus der Transformation neue disruptive Geschäftsmodelle. Um diese Chancen zu nutzen, braucht es einen funktionierenden Kapitalmarkt sowie stärkere Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups – sowohl im Dialog als auch durch gezielte Investitionen.

Johannes Ortner, ALIA AG, sprach über die Rolle des Finanzsektors bei der Transformation. Kapitalströme entscheiden maßgeblich darüber, welche Innovationen entstehen und welche Geschäftsmodelle wachsen können. Ziel seiner Initiative für Österreichs erster Impact-Bank ist es, Finanzierungsmodelle zu entwickeln, die gezielt positive ökologische und gesellschaftliche Wirkung fördern und nachhaltige Investitionen gleichzeitig wirtschaftlich attraktiv machen.

Andrea Stürmer, Klimabotschafterin München, gab Einblicke in internationale Netzwerke von Städten, die ihre Klimastrategien besonders ambitioniert vorantreiben. In München liegt ein zentraler Hebel der Dekarbonisierung im Gebäudesektor, insbesondere im Bereich Wärme. Gleichzeitig werden Grundlagen wie Klimafokus-Karten oder Versiegelungskataster aufgebaut, um Anpassungsmaßnahmen der Stadt an den Klimawandel gezielt zu planen.

Marianne Neumüller-Klapper, Nespresso Österreich GmbH & Co OHG, betonte die Bedeutung regenerativer Landwirtschaft für den Schutz von Biodiversität und langfristige Rohstoffsicherung. Studien zeigen, dass ein Großteil der heutigen Kaffeeanbauflächen bis 2050 klimatisch ungeeignet werden könnten. Regenerative Landwirtschaft bietet hier eine große Chance, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und Wasserhaushalt zu stärken – und gleichzeitig stabile Einkommen für Landwirt:innen zu sichern.

Claus Zeppelzauer, ecoplus Niederösterreichs Wirtschaftsagentur GmbH, hob hervor, dass Resilienz nicht mehr nur eine strategische Debatte ist, sondern konkrete Umsetzung erfordert. Unternehmen müssen zunächst selbst verstehen, welche Auswirkungen Dekarbonisierung auf ihr Geschäftsmodell hat und klare Ziele definieren. Gleichzeitig spielen Infrastruktur, Planungssicherheit, rechtliche Rahmenbedingungen sowie Fachkräfte eine entscheidende Rolle. Kooperationen werden dabei zunehmend zu einem strategischen Instrument der Transformation.

Arne Benox, Digital Realty, zeigte die Rolle von Rechenzentren in einer digitalisierten Wirtschaft auf. Als einer der weltweit größten Anbieter von Data-Center-Infrastruktur basiert das Geschäftsmodell von Digital Realty selbst auf Resilienz – durch sichere digitale Infrastruktur, stabile Energieversorgung und effiziente Kühlungssysteme. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, seine Rechenzentren nachhaltiger zu betreiben, etwa durch den Einsatz erneuerbarer Energien und innovativer Kühltechnologien.

Abschließend betonte Karl Kienzl die wohltuende positive Einstellung der Mitgliedsunternehmen der Plattform CEOs FOR FUTURE, die Denksilos durchbrechen, Chancen aufzeigen und branchenübergreifend Lösungen auch umsetzen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmer:innen für den wertvollen Austausch und die wichtigen Beiträge zu dem Thema:

Wolfgang Brunauer – ubicube GmbH // Frank Dumeier – QR Energy // Michael Freitag – Sodexo Service Solutions Austria GmbH // Caroline Gager-Palfy – Orbyz Media GmbH // Gudrun Ghezzo – Ghezzo GmbH // Michael Haugeneder – ATP sustain GmbH // Mario Heinisch – Funk International Austria GmbH // Barbara Hofleitner – COLLECTIVE ENERGY GmbH // Wolfgang Kradischnig, Evelyn Parnigoni – DELTA AG // Dieter Meyer – EQUANS Austria GmbH // Ruth Moss // Michael Pech // Marco Porak – IBM Österreich GmbH // Leopold Reymaier – GREEMER // Christian Richter-Schöller – Schiefer Rechtsanwälte GmbH // Marcus Schellerer – Rittal GmbH // Kris Van Humbeeck, Amira Badi – DHL Express Austria GmbH // Clemens Wagner-Bruschek, d-fine Austria GmbH // Tobias Wiener – one2zero GmbH // Christoph Thun-Hohenstein, Oliver Schnetzer – Beirat CEOs FOR FUTURE // Verena Kuen, Lukas Kienzl – Vorstand CEOs FOR FUTURE

Bildergalerie CEOs FOR FUTURE Themenabend // 09.03.2026:

Fotocredit: CEOs FOR FUTURE / Paris Tsitsos
Fotocredit: CEOs FOR FUTURE / Paris Tsitsos

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Interview mit Nebojša Nakićenović – Energieökonom und Nachhaltigkeitsforscher
Interview mit Oliver Schnetzer
Interview mit Christoph Thun-Hohenstein – Kunst & Klima Werkstätte GmbH
Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp
Email
Print