24.06.25

C4F Themenabend: Resilienz durch Kreislaufwirtschaft und Biodiversität

Beim CEOs FOR FUTURE Themenabend am 23. Juni 2025 stand die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen durch Kreislaufwirtschaft und Biodiversität zur Resilienz unseres Wirtschafts- und Lebenssystems beitragen können. Vertreter:innen nicht nur aus der Wirtschaft, sondern auch aus der Wissenschaft diskutierten, welche Rolle Unternehmen in diesem Wandel einnehmen und welche politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind. Eröffnet wurde der Abend von Obmann-Stellvertreterin Birgit Kraft-Kinz und Obmann Karl Kienzl, die die Bedeutung systemischer Resilienz betonten und Kreislaufwirtschaft sowie Biodiversität als zentrale Hebel für zukunftsfähiges Wirtschaften hervorhoben.

Den inhaltlichen Auftakt machte Sigrid Stagl, Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien und Wissenschaftlerin des Jahres 2024. In ihrem Impuls plädierte sie für klare systemische Leitplanken: Nur wenn ökologische Schäden einen Preis erhalten – etwa durch CO₂-Bepreisung oder ordnungspolitische Standards – können grüne Innovationen rasch genug greifen. Um die Klimaziele zu erreichen, müssten pro Jahr neun Billionen Dollar investiert werden. Fossile Energieträger wurden zum Beispiel 2022 mit sieben Billionen gefördert, und weitere zwei Billionen sind im Green Climate Fund der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen vorgesehen. Das Geld wäre also vorhanden. Der Umbau der Wirtschaft sei nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll und machbar – dafür benötigt es ein aktives Gestalten durch Politik, Unternehmen und Gesellschaft.

Verena Ehold, Umweltbundesamt GmbH, machte deutlich, dass Biodiversität kein Nischenthema mehr ist: Sie wird mittlerweile als globales Risiko höher eingestuft als die Klimakrise. Rund 50 % des globalen BIP hängen direkt von intakten Ökosystemen ab – und doch sind diese akut bedroht. Gefordert seien politische Klarheit, Transparenz im Finanzsystem sowie die Vermeidung widersprüchlicher Anreize.

Katrin Vohland, Naturhistorisches Museum Wien, hob die Bedeutung taxonomischer Grundlagen hervor. Nur wer weiß, welche Arten existieren, kann sie auch schützen. Die umfassende Sammlung des Naturhistorischen Museums stellt dafür einen wertvollen Datenschatz dar – nicht nur für die Forschung, sondern auch für angewandte Lösungen für Unternehmen, etwa bei der Optimierung der Flächennutzung, wie das Schneckengehäuse zeigt, oder Hautstrukturen bei Tieren, die Sonneneinstrahlung optimal reflektieren. Es brauche Plattformen wie CEOs FOR FUTURE, um gemeinsam Lösungen zu finden, Ziele politisch sichtbar zu machen und deren Relevanz aufzuzeigen, um die Transformation voranzutreiben.

Wie Kreislaufwirtschaft und Biodiversität in der Praxis aussehen, zeigte Michael Berlin vom Unternehmen blün, wo Fisch- und Gemüseproduktion in einem geschlossenen Aquaponik-Kreislauf kombiniert werden. Das Modell steht für Ressourceneffizienz, kurze Wege und lokale Wertschöpfung. Um solche Projekte zu skalieren, braucht es passende politische Rahmenbedingungen und den Zugang zu städtischen Flächen.

Auch Klaus Garstenauer, ÖBB-Personenverkehr AG, zeigte auf, wie Kreislaufprinzipien im Verkehrssektor Anwendung finden. Die Bahn ist nicht nur ein klimafreundliches Verkehrsmittel, sondern auch zunehmend von Klimafolgen betroffen – etwa durch Hochwasser. Technische Maßnahmen wie der Einsatz klimaneutraler Kältemittel in Zügen oder Energierückgewinnung beim Bremsen leisten hier wichtige Beiträge. Für die Mobilitätswende braucht es jedoch einen breiten gesellschaftlichen Konsens.

Michaela Mischek-Lainer, Michaela Mischek Bauträger GmbH und Vorständin CEOs FOR FUTURE, stellte klar, dass nachhaltige Stadtentwicklung mit dem Verzicht auf weitere Bodenversiegelung beginnt und auf Nachverdichtung setzt. Dabei dürfen Leistbarkeit und Biodiversität nicht als Gegensätze verstanden werden. Die Baubranche muss stärker in Richtung zirkuläres Design denken – etwa in Gebäuden, die für 200 Jahre geplant und deren Materialien rückbaubar und wiederverwendbar sind.

Romy Sagmeister, Holcim Österreich, zeigte auf, wie die Baustoffindustrie ihren Fußabdruck reduzieren kann – unter anderem durch alternative Brennstoffe, Recyclingzentren zur Rückgewinnung von Rohstoffen sowie die Förderung von Biodiversität rund um Produktionsstandorte. Kreislaufwirtschaft ist dabei nicht Zukunftsvision, sondern gelebte Realität.

Zum Abschluss betonte Karl Kienzl, wie wichtig es ist, Zusammenhänge zu erkennen und gemeinsam ins Handeln zu kommen: „Eine resiliente Wirtschaft braucht einen ganzheitlichen Ansatz – und das entschlossene Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Unternehmen.

Wir bedanken uns bei allen weiteren Teilnehmer:innen für ihre wertvollen Beiträge:

Markus Beck – NTT DATA Deutschland SE // Johannes Ehrenfeldner – Nationalparkverwaltung Neusiedler See – Seewinkel // Gudrun Ghezzo – Ghezzo GmbH // Claudia Memminger – Nespresso Österreich GmbH & Co OHG // Ruth Moss – CRIF GmbH // Friedrich Paprotka – ista Österreich GmbH // Evelyn Parnigoni – DELTA AG // Michael Pech // Leopold Reymaier – GREEMER // Werner Weingraber – Madaster Austria GmbH // Herbert Witschnig – proNPO GmbH // Lukas Kienzl – Vorstand CEOs FOR FUTURE

Bildergalerie CEOs FOR FUTURE Themenabend // 23.06.2025:

Fotocredit: CEOs FOR FUTURE / Paris Tsitsos

Fotocredit: CEOs FOR FUTURE / Paris Tsitsos

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